Wie die Jungfrau zum Kind und ich zum Wein kam

Nun ja, die eine Geschichte ist hinlänglich aus der Fachliteratur bekannt, die andere geht so...

Nachdem meine Promotionsarbeit über das Gift einer mittelamerikanischen Spinne ein glückliches Ende fand, gönnte ich mir einige Tage Erholung an der ligurischen Küste. Bei meinen Eltern, die ihren Urlaub seit einer gefühlten Ewigkeit am selben Ort, am selben Strand, im selben Liegestuhl mit den immer gleichen Freunden verbrachten ... Ganztägiges Sonnenbaden im Liegestuhl Nr. 15, Reihe 2, verlor aber bald seinen Reiz und so trat ich nach wenigen Tagen den Rückweg an, wie schon so oft im Fiat Panda. Für einmal aber nicht auf der Autobahn via Genua, sondern auf Nebenstrassen, über den Colle dei Giovetti Richtung Alba und dann über Turin nach Hause. So war der Plan.

 

Schon bald lagen die Monti Ligure hinter mir und ich gelangte in ein mir bis anhin unbekanntes Gebiet. Unzählige Hügel, auf jedem ein pittoreskes Dörfchen mit der obligaten Kirche, schon aus der Ferne erkennbar. An den Hängen wechselten sich Streifen in unterschiedlichen Grüntönen ab, von der Sonne beschienen ergaben sie einzigartige Farbmuster. Rebberge soweit das Auge reicht! Ich war ergriffen von dieser Landschaft, wollte sie näher erkunden, liess mich treiben, fuhr mal auf diesen Hügel, dann zu jenem Dörfchen, übernachtete mal da und mal dort. Und immer wieder Wein, es kam mir vor, als wäre ich in ein Bett voller Weinreben gefallen! Alles dreht sich hier um Wein, italienuntypisch verkommt hier Calcio für einmal zur Nebensache. Wein war mir bisher nur von Studentenpartys bekannt, meist im Segment von unter 10 Franken, mit den unvermeidlichen Kopfschmerzen danach. Ein guter Rioja zu Weihnachten vielleicht, gehörte zu den höchsten aller Weingefühle. Und ehrlich gesagt schmeckte mir Bier auch viel besser.

 

Dies sollte sich aber ändern als ich eines Abends in der Cantina del Rondo in Néive landete, im langgezogenen Gewölbekeller, der einst Stall und Lager zugleich war. Nach zahlreichen Antipasti, Primo und Secondo, immer begleitet von den Weinempfehlungen des Chefs, ging es schliesslich zum Dolce über. Der Chef meinte, dass da ein Moscato d’Asti sehr gut passen würde. Er schmeckte hervorragend und ich erkundigte mich nach der Adresse des Produzenten. Am nächsten Tag besuchte ich Bruno Rivetti, von der Cascina Vano … und dies war the beginning of a beautiful friendship, soviel sei schon jetzt verraten.

 

Zuhause angekommen schwärmte ich von der einzigartigen Landschaft, den unzähligen Antipasti, den köstlichen Tajarin al plin, dem Carne crudo, den Dolci … und natürlich vom Wein! Im folgenden Herbst waren meine Freundin und ich bereits wieder zu Besuch bei Bruno Rivetti, kauften ein paar wenige Flaschen von seinem Barbera Carulot, soviel wie unser bescheidenes Budget zuliess. Zum Abschied meinte er, falls wir einmal ein Fest mit Freunden organisieren möchten, dann käme er mit seinem Winzerfreund vorbei, Wein inklusive, versteht sich. Und tatsächlich, kurz nach Weihnachten trafen Bruno Rivetti und Fabio Pezzuto, Weinproduzent aus dem Roero, mit vollbeladenem Lieferwagen in Trimstein ein – auf ihrem Rückweg war der Wagen leer!

 

Im Herbst des folgenden Jahres half ich Bruno für zwei Wochen bei der Weinlese aus. Dabei lernte ich seine Familie und einzelne Prozesse der Weinzubereitung kennen. Trotz anstrengenden Arbeitstagen war es eine unvergessliche Zeit, in Gesellschaft von vielen lieben Menschen. Auf der Rückfahrt nach Hause blieb mir genügend Zeit, um über den Vorschlag von Bruno zu sinnieren, seinen Wein in der Schweiz zu verkaufen. Ich überlegte lange, denn es entsprach eigentlich so gar nicht meiner Kernkompetenz. Auf der Höhe von Domodossola war der Entschluss jedoch gefasst: Ich mache es! Fehlte bloss noch ein passender Name, irgendetwas in der Nähe von Enothek oder Vinothek sollte es sein … - da mich einige Freunde auch Enzo rufen war schliesslich der Schritt zur ENZOTECA nicht mehr weit. Ein neues Kapitel konnte aufgeschlagen werden …

© enzoteca - 2022

Wie die Jungfrau zum Kind und ich zum Wein kam

Nun ja, die eine Geschichte ist hinlänglich aus der Fachliteratur bekannt, die andere geht so...

Nachdem meine Promotionsarbeit über das Gift einer mittelamerikanischen Spinne ein glückliches Ende fand, gönnte ich mir einige Tage Erholung an der ligurischen Küste. Bei meinen Eltern, die ihren Urlaub seit einer gefühlten Ewigkeit am selben Ort, am selben Strand, im selben Liegestuhl mit den immer gleichen Freunden verbrachten ... Ganztägiges Sonnenbaden im Liegestuhl Nr. 15, Reihe 2, verlor aber bald seinen Reiz und so trat ich nach wenigen Tagen den Rückweg an, wie schon so oft im Fiat Panda. Für einmal aber nicht auf der Autobahn via Genua, sondern auf Nebenstrassen, über den Colle dei Giovetti Richtung Alba und dann über Turin nach Hause. So war der Plan.

 

Schon bald lagen die Monti Ligure hinter mir und ich gelangte in ein mir bis anhin unbekanntes Gebiet. Unzählige Hügel, auf jedem ein pittoreskes Dörfchen mit der obligaten Kirche, schon aus der Ferne erkennbar. An den Hängen wechselten sich Streifen in unterschiedlichen Grüntönen ab, von der Sonne beschienen ergaben sie einzigartige Farbmuster. Rebberge soweit das Auge reicht! Ich war ergriffen von dieser Landschaft, wollte sie näher erkunden, liess mich treiben, fuhr mal auf diesen Hügel, dann zu jenem Dörfchen, übernachtete mal da und mal dort. Und immer wieder Wein, es kam mir vor, als wäre ich in ein Bett voller Weinreben gefallen! Alles dreht sich hier um Wein, italienuntypisch verkommt hier Calcio für einmal zur Nebensache. Wein war mir bisher nur von Studentenpartys bekannt, meist im Segment von unter 10 Franken, mit den unvermeidlichen Kopfschmerzen danach. Ein guter Rioja zu Weihnachten vielleicht, gehörte zu den höchsten aller Weingefühle. Und ehrlich gesagt schmeckte mir Bier auch viel besser.

 

Dies sollte sich aber ändern als ich eines Abends in der Cantina del Rondo in Néive landete, im langgezogenen Gewölbekeller, der einst Stall und Lager zugleich war. Nach zahlreichen Antipasti, Primo und Secondo, immer begleitet von den Weinempfehlungen des Chefs, ging es schliesslich zum Dolce über. Der Chef meinte, dass da ein Moscato d’Asti sehr gut passen würde. Er schmeckte hervorragend und ich erkundigte mich nach der Adresse des Produzenten. Am nächsten Tag besuchte ich Bruno Rivetti, von der Cascina Vano … und dies war the beginning of a beautiful friendship, soviel sei schon jetzt verraten.

 

Zuhause angekommen schwärmte ich von der einzigartigen Landschaft, den unzähligen Antipasti, den köstlichen Tajarin al plin, dem Carne crudo, den Dolci … und natürlich vom Wein! Im folgenden Herbst waren meine Freundin und ich bereits wieder zu Besuch bei Bruno Rivetti, kauften ein paar wenige Flaschen von seinem Barbera Carulot, soviel wie unser bescheidenes Budget zuliess. Zum Abschied meinte er, falls wir einmal ein Fest mit Freunden organisieren möchten, dann käme er mit seinem Winzerfreund vorbei, Wein inklusive, versteht sich. Und tatsächlich, kurz nach Weihnachten trafen Bruno Rivetti und Fabio Pezzuto, Weinproduzent aus dem Roero, mit vollbeladenem Lieferwagen in Trimstein ein – auf ihrem Rückweg war der Wagen leer!

 

Im Herbst des folgenden Jahres half ich Bruno für zwei Wochen bei der Weinlese aus. Dabei lernte ich seine Familie und einzelne Prozesse der Weinzubereitung kennen. Trotz anstrengenden Arbeitstagen war es eine unvergessliche Zeit, in Gesellschaft von vielen lieben Menschen. Auf der Rückfahrt nach Hause blieb mir genügend Zeit, um über den Vorschlag von Bruno zu sinnieren, seinen Wein in der Schweiz zu verkaufen. Ich überlegte lange, denn es entsprach eigentlich so gar nicht meiner Kernkompetenz. Auf der Höhe von Domodossola war der Entschluss jedoch gefasst: Ich mache es! Fehlte bloss noch ein passender Name, irgendetwas in der Nähe von Enothek oder Vinothek sollte es sein … - da mich einige Freunde auch Enzo rufen war schliesslich der Schritt zur ENZOTECA nicht mehr weit. Ein neues Kapitel konnte aufgeschlagen werden …

© enzoteca - 2021